Eine Milliarde Euro Bundesmittel für den Radverkehr
Radverkehrsförderung muss endlich ernstgenommen werden im Bundeshaushalt. Dafür braucht es einen stetigen Ausbau und eine sukzessive Aufstockung der Bundesmittel für die Radverkehrsförderung auf eine Milliarde Euro, die der Bedeutung des Radverkehrs für die Verkehrswende gerecht wird. Diese Mittel sollten genutzt werden für:

  • Erhalt, Aus- und Neubau von Radwegen entlang von Bundes- und Wasserstraßen

  • Steigerung der Mittel für den Bau von Radschnellwegen

  • Förderung investiver Modellprojekte

  • Ausbau bzw. Bau von sicheren Fahrradabstellanlagen/Fahrradparkhäusern

  • flächendeckende Förderung von Lastenrädern

  • Forschungsförderung durch nicht-investive Mittel

  • Kommunikationsmaßnahmen, um über die Vorteile des Radfahrens aufzuklären

 

Mittel müssen abgerufen werden
Geld allein reicht nicht. Es müssen bürokratische Hürden abgebaut, entsprechende Strukturen geschaffen und Personal eingestellt werden, damit die Bundesmittel für die Radverkehrsförderung von Ländern und Kommunen auch abgerufen werden können. Eine Maßnahme könnte bspw. eine Bildungsoffensive des Bundes für mehr Stadt- und Verkehrsplaner sein. Die vom BMVI geförderten Stiftungsprofessuren sind ein erster Schritt.

 

Bessere und sichere Infrastruktur bauen
Um dem Ziel der Steigerung des Radverkehrsanteils gerecht zu werden, ist die Schaffung, Verbesserung und Pflege der Fahrradinfrastruktur für einen sicheren Radverkehr unter besonderer Berücksichtigung der Zunahme von E-Bikes und Lastenrädern unerlässlich. Dafür braucht es mehr Radwege in angemessener Breite und Qualität, eine gerechtere Flächenaufteilung, geschützte Radwege, sichere Kreuzungsgestaltungen sowie einen schnellen Ausbau von Radschnellwegen. Hier sind alle Akteure auf ihrer Ebene gefragt: Bund - Länder - Kommunen.

 

S-Pedelecs auf Radwege
S-Pedelecs haben ein enormes Potenzial für Pendler, die längere Strecken von 10, 20 oder mehr Kilometern zurücklegen müssen. Insbesondere in Kombination mit einem guten Radschnellwegenetz können sie zu erheblichen Verlagerungen des Verkehrs führen. Das Fahren mit S-Pedelecs muss deshalb sicherer werden! Außerörtliche Radwege sowie Radschnellwege und Fahrradstraße sollten für S-Pedelecs freigegeben werden. Zudem wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung für S-Pedelecs ein denkbarer Ansatz, um das Fahren auch innerorts auf geeigneten Radwegen zu ermöglichen.

 

Fahrradgerechte Gesetzgebung
StVO und StVG müssen so reformiert werden, dass sie die Verkehrswende unterstützen und die "Vision Zero" als Leitgedanken tragen. Dabei muss die bisher festgeschriebene Ungleichheit zu Gunsten des Kraftverkehrs beendet werden. Eine echte Gleichbehandlung der Verkehrsträger muss das Ziel sein. Aus Gründen des Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschutzes sollte dem Umweltverbund Vorrang eingeräumt werden.

 

Abbiegeassistent für alle LKW
Der verpflichtende Abbiege-Assistent für LKW muss so schnell wie möglich eingeführt werden. Die vorhandenen technischen Möglichkeiten müssen genutzt werden, um die Anzahl der typischen Rechtsabbiegeunfälle zu reduzieren. Deutschland sollte in dieser dringenden Frage mit gutem Beispiel vorangehen, anstatt auf eine internationale Lösung zu warten.

 

Kaufprämie für Lastenräder
Insbesondere (E-)Lastenräder haben ein großes, bislang unzureichend genutztes Potenzial für den privaten und gewerblichen Transport und leisten einen erheblichen Beitrag zur umweltfreundlichen Mobilität im urbanen Raum. Eine allgemeine, bundesweite Kaufprämie bei der Neuanschaffung von (E-)Lastenrädern kann die Logistik in der Stadt erheblich entlasten und besonders für Familien ein autofreies Leben ermöglichen.

 

Intermodalität ermöglichen
Fahrrad und öffentlicher Verkehr sind eine unschlagbare Kombination. Deshalb müssen die Fahrradmitnahme in allen öffentlichen Verkehrsmitteln zu allen Tageszeiten, auch in ICE's, sowie ein vereinfachtes, einheitliches Tarifsystem für Fahrradtickets eingeführt werden, damit das Potenzial aus der Kombination von Fahrrad und ÖV voll ausgeschöpft werden kann.

 

Sichere Fahrradabstellanlagen
Pro Jahr werden in Deutschland ca. 300.000 Fahrräder gestohlen - das sind über 800 pro Tag. Die Angst vor Fahrraddiebstahl hält viele Menschen vom Radfahren ab. Deshalb braucht es flächendeckend sichere Fahrradabstellanlagen, die über die einfachen Fahrradbügel hinausgehen. Fahrradparkhäuser sollten an  allen größeren Bahnhöfen gebaut werden, da sie eine große Anzahl von Fahrradparkplätzen bereitstellen und mehr Sicherheit bieten. Aber auch kleinere Kommunen können mit abschließbaren Fahrradabstellanlagen deutlich zur Sicherheit und damit zu einer höheren Fahrradnutzung beitragen.

 

Radverkehrsförderung ganzheitlich sehen
Radverkehr ist nicht nur gut für den Verkehr, sondern auch für Umwelt, Klima und Gesundheit. Deshalb muss Radverkehrsförderung als Querschnittsaufgabe verstanden und integraler Bestandteil der Umwelt-, Klima- und Gesundheitspolitik werden. Dementsprechend sollte der Radverkehr in allen diesen Ressorts mitgedacht werden.