Parlamentarischer Abend des Zweirad-Industrie-Verbandes:

Die Psychologie hinter der Verkehrswende

Wie kann man mehr Menschen motivieren aufs Fahrrad umzusteigen? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig und welche Incentives funktionieren? Diese Fragen diskutierte der ZIV im Rahmen eines Parlamentarischen Abends in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft am Dienstag in Berlin mit Gästen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Industrie und Verbänden.

Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des ZIV, stellt in seiner Begrüßung fest, dass es zwar eine hohe Nachfrage nach dem Produkt Fahrrad und E-Bike gibt, die Fahrradnutzung jedoch seit Jahren auf einem verhaltenen Niveau stagniert. Nach wie vor werden viel zu viele Wege mit dem PKW erledigt. Ein Viertel aller Autofahrten sind unter 2km. 50% kürzer als 5km. Genau diese kurzen Wege müssen durch eine andere Verkehrsmittelwahl ersetzt werden und das Fahrrad ist dafür das ideale Transportmittel.

Auch Staatssekretär Guido Beermann bekannte sich „Pro Fahrrad“ und findet, dass viele Wege nicht mit dem Auto erledigt werden müssten. Deshalb will das BMVI z.B. durch Finanzhilfen für Länder und Kommunen sowie die Förderung von Leuchtturmprojekten den Radverkehr intensiver stärken.

Die Umweltpsychologin Dr. Anke Blöbaum von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg vermittelte den Gästen einen psychologischen Blick auf das Thema. In Ihrem Vortrag erläuterte sie unterschiedliche Motive für die Fahrradnutzung sowie die Bedeutung von sozialen und persönlichen Normen, die unser Mobilitätsverhalten beeinflussen. Eine fahrradfreundliche Infrastruktur ist eine wichtige Basis, damit Menschen ihre Verkehrsmittelwahl ändern. Eine positive Kommunikation zum Radfahren, z. B. mit Multiplikatoren aus der Öffentlichkeit, aber auch Bezugspersonen im persönlichen Umfeld, kann die soziale Norm pro Fahrrad stärken. Belohnungssysteme als Anreiz seien indes eher mit Vorsicht zu genießen. Die Gefahr sei groß, dass Menschen ihr Verhalten nur so lange ändern, wie sie die Belohnung auch bekommen.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit Dr. Anke Blöbaum, Gero Storjohann, Stefan Gelbhaar, Mathias Stein und Bernhard Lange ging es vor allem darum, was die Politik tun müsse, damit mehr Menschen umsteigen. 

So herrschte beispielsweise Einigkeit im Podium, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen maßgeblich ist, um sie vom Radfahren zu überzeugen. Außerdem müsse das Fahrrad endlich als gleichberechtigtes Verkehrsmittel anerkannt werden.

Bernhard Lange, Präsidiumsmitglied des ZIV, forderte die Politik auf, den politischen Schwung für den Radverkehr auch endlich in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Neben dem Infrastrukturausbau schlägt er z.B. eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Fahrräder sowie eine bundesweite Förderung von Lastenrädern vor. Die Fahrradindustrie leistet ihren Beitrag, indem sie mit innovativen Produkten Lust aufs Radfahren macht und mit dem E-Bike die perfekte Lösung für die Verkehrswende anbietet.