Velo-city Konferenz 2024: Globale Fahrradcommunity trifft sich in Gent

Nach Ljubljana (2022) und Leipzig (2023) fand das jährliche Aushänge-Event der European Cyclists‘ Federation (ECF) 2024 im belgischen Gent statt. Zwischen dem 18. und 21. Juli 2024 trafen sich tausende Aktivist:innen, Pioniere, Befürworter:innen, Stadt- und Verkehrsplaner:innen, Entscheidungsträger:innen, Forscher:innen und Branchen- und Verbandsvertreter:innen in der mittelalterlichen Hafen- und Universitätsstadt Gent, um die Zukunft des Radverkehrs gemeinsam zu diskutieren und zu gestalten.
Der ZIV – Die Fahrradindustrie hatte in diesem Jahr mit dem Namen German Cycling Embassy erstmals einen gemeinsamen Stand organisiert. Partner des Standes waren das Bundesministerium für Digitales und Verkehr, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, der Verband Zukunft Fahrrad und das Umweltbundesamt.  Bei zahlreichen Konferenzbesucher:innen stieß der Stand auf großes Interesse. Als Vorlage in der Standkonzeption diente den gemeinsamen Partnern die European Cycling Declaration mit ihren acht Verpflichtungen zur Verbesserung des Radverkehrs. Repräsentative Beispiele aus dem Themenfeld Radverkehrsplanung und Fahrradkultur wurden den Standbesucher:innen auch im Rahmen von Veranstaltungen präsentiert. Beispielsweise bei einem Standempfang des vom ZIV unterstützten Bike Nature Movements, eine Initiative mehrerer Verbände sowie starker Unterstützung der Fahrradindustrie, welche sich für das naturverträgliche Radfahren und die zugrunde legenden Rahmenbedingungen einsetzt.

Als Event des Europäischen Radfahrerverbands ECF spielt die jährlich stattfindende Konferenz Velo-city eine wichtige Rolle bei der Förderung des Radfahrens als nachhaltiges und gesundes Verkehrsmittel im globalen Umfeld. Wie keine andere Veranstaltung bietet die Konferenz der wachsenden Zahl von mehr als 1.500 «Velo-Bürger:innen» aus über 60 Ländern eine Plattform, die sich mit Politik, der Förderung von Radverkehr, mit aktiver Mobilität und nachhaltiger Stadtentwicklung befasst. Zentral sind hierbei auch der Wissensaustausch über Best-Practice, sowie der Umgang mit Herausforderungen  in Umsetzung, Kommunikation und Umgang mit Gegner*innen und der Transfer in die Politik. Auf der Konferenzausstellung wurden in jedem Jahr die neuesten Innovationen für ein besseres Radfahrerlebnis in Städten und Gemeinden vorgestellt, wodurch ein intensives globales Learning entsteht.
Standempfang der German Cycling Embassy
Die diesjährige Velo-city Gent hat in den letzten Jahren sehr viel für eine radfreundliche Infrastruktur getan und zudem ein nahezu autofreies Stadtzentrum erschaffen. Die 250.000-Einwohner-Stadt beeindruckt mit einem Radnetz von weit über 500 Kilometern, von denen allein knapp 200 Kilometer erst seit 2010 gebaut worden sind. Bekannt wurde die Stadt über die Landesgrenzen hinaus durch den konsequent und schnell umgesetzten aber auch zeitweise hochumstrittenen «Circulation Plan» im Stadtzentrum, um die aktive Mobilität und die Lebensqualität der Bewohner:innen zu fördern. Nach erfolgreicher Umsetzung im Jahr 2018 und wachsender Zustimmung kandidiert der damalige Verkehrssenator nun für die nächste Legislaturperiode. Auch wurden attraktive Wegenetze ins Umland der Stadt geschaffen, die Pendler:innen zur Nutzung des Fahrrades einladen sollen.
Durch die in der Konferenz eingebetteten «Technical Visits» konnten die Teilnehmer:innen die entstandene Infrastruktur und deren Potenziale besichtigen und existierende Schwachstellen gemeinsam identifizieren und die daraus resultierenden Learnings ziehen. Mit diesen Learnings gelang es der Konferenz wieder sehr gut, ein internationales Publikum in den intensiven Fachaustausch zu versetzen und die globale Community zu vernetzen. 2025 wird das Treffen im polnischen Danzig stattfinden.

Dass neben dem geballten Wissen auch Aktivismus und Freude nicht zu kurz kommen, erlebten die Velo-Citizens bei der großen Bike-Parade mit vielen kreativen Beiträgen und den Networkinggelegenheiten im Rahmen des Abendprogramms. So konnten die Teilnehmenden am Ende einer spannenden Woche zufrieden in ihre Heimatstädte zurückreisen. Für den ZIV ein sehr gelungener globaler Austausch.
Technical Visits