ZIV-Marktdaten Fahrräder und E-Bikes 2023: Die Zahlen im Detail

Bestand Fahrräder und E-Bikes in Deutschland
Der Bestand an Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland wächst kontinuierlich – auf 84 Mio. Stück in 2023 (2022: 82,8 Mio.). Im Vergleich zu 2019 entspricht das einer Zunahme um 8,1 Mio. Stück (+ 10,67 %). Statistisch verfügt somit fast jede Person in Deutschland über ein Fahrrad oder E-Bike. Beim Kaufverhalten geht die Entwicklung neben dem Neukauf vermehrt auch zur Anschaffung von Zweit- oder Dritträdern – zum Beispiel für die Freizeit, den Sport oder den Transport. Eine Marktsättigung ist damit laut ZIV weiterhin nicht absehbar.
Bestand E-Bikes in Deutschland
Der ZIV gibt den Bestand an E-Bikes zum Ende des Jahres 2023 mit 11 Mio. Stück an (2022: 9,8 Mio.). Damit ist der Bestand nun fast siebenmal so hoch, wie der Bestand vor 10 Jahren (2013: 1,6 Mio.). Wichtig mit Blick auf gesundheitliche Vorteile, die Mobilitätswende oder Diskussionen um Unfallzahlen: E-Bikes werden erheblich öfter und über längere Wegstrecken verwendet, durchschnittlich 1.500 bis 2.000 Kilometer pro Jahr. In der Freizeit erschließen E-Bikes für breite Bevölkerungsgruppen und auch die wachsende Zahl älterer Radfahrer:innen neue Möglichkeiten und neue Routen, zum Beispiel in hügeligen Regionen. Bei Cargobikes ist die Motorisierung nicht nur bequem, sondern vielfach ein unverzichtbarer Möglichmacher.
Produktion: Fahrradbranche trotzt dem negativen Konsumklima
Nach dem Allzeithoch in der Fahrrad- und E-Bike-Produktion in Deutschland im Jahr 2022, das angesichts der zwischenzeitlich eingebrochenen Nachfrage zu übervollen Lägern beitrug, hat sich die Produktion 2023 mit 2,3 Millionen Einheiten auf dem Niveau des Boom-Jahres 2020 und damit auf einem sehr guten Wert eingependelt.

  • Gesamtproduktion: 2,3 Mio. Fahrzeuge (2022: 2,6 Mio., 2020: 2,2 Mio. Fahrzeuge)
  • E-Bike-Produktion: 1,6 Mio. Fahrzeuge (2022: 1,7 Mio., 2020: 1,3 Mio. Fahrzeuge)
  • Fahrradproduktion: 726.000 Fahrzeuge (2022: 848.000, 2020: 827.000 Fahrzeuge)

Tatsächlich ist die Leistungskraft der deutschen Fahrradindustrie noch größer, denn ein guter Teil wird im Auftrag der deutschen Unternehmen im Ausland (mit 85 % vor allem in EU-Ländern) produziert. Die Auftragsfertigung deutscher Unternehmen im Ausland kommt auf 1,08 Millionen Einheiten, wovon 710.000 Stück in eigenen Produktionsstätten gefertigt werden. In der Summe stehen die Unternehmen der deutsche Fahrradindustrie 2023 damit für 3 Millionen im In- und Ausland produzierten Fahrrädern und E-Bikes.

Die Importe haben sich nach dem Ende der Lieferkettenprobleme normalisiert. Die Exporte bleiben stabil. Weiterhin positiv zu bewerten ist die hohe Fertigungstiefe am Wirtschaftsstandort Deutschland.
Inlandsanlieferung
(= Produktion plus Import minus Export)
Die Inlandsanlieferung von Fahrrädern und E-Bikes an den deutschen Handel lag 2023 bei 4,36 Mio. Stück. Das bedeutet einen leichten Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2022 mit 5,45 Mio. Stück aufgrund der hohen Lagerbestände im Handel.
Umsätze
Stabil auf hohem Niveau waren 2023 auch die Umsätze der Fahrradbranche: Der Wert, der im Jahr 2023 in Deutschland verkauften Fahrräder und E-Bikes betrug 7,06 Milliarden Euro (2022: 7,36 Mrd. €, 2021: 6,56 Mrd. €, 2019: 4 Mrd. €). Gründe sind der weiterwachsende Anteil von E-Bikes und anderen hochwertigeren Produkten, wie zum Beispiel Cargobikes etc. das weiter gewachsenen Qualitätsbewusstsein bei den Käufer:innen sowie der wachsende Leasing-Markt, der hochwertige Fahrräder und E-Bikes für alle Interessierte ermöglicht.
Verkauf Fahrräder und E-Bikes: Das E-Bike ist der Motor der Fahrradbranche
Die Gesamtstückzahl der verkauften Fahrräder und E-Bikes in Deutschland lag 2023 bei 4,0 Millionen. Damit ist die Verkaufsmenge insgesamt leicht rückläufig und ungefähr wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Weiter nachgelassen hat insbesondere der Verkauf von Fahrrädern ohne Motorunterstützung. 1,9 Mio. Fahrräder wurden 2023 abgesetzt (2022: 2,4 Mio. Stk.).
Weiterhin positiv sind die Entwicklungen bei den E-Bikes, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Treiber bei Absatz, Umsatz und Innovation entwickelt haben. 2023 wurden 2,1 Mio. E-Bikes in Deutschland abgesetzt. Damit haben E-Bikes im Jahr 2023 erstmals Fahrräder beim Absatz hinter sich gelassen. Die stabilen Absatzzahlen bei E-Bikes liegen sogar über dem Niveau des Boom-Jahres 2020 (2,0 Mio. Stk.). Das Ergebnis des Rekord-Vorjahrs 2022 (2,2 Mio. Stk.) konnte aufgrund der allgemeinen Kaufzurückhaltung bei den Verbraucher:innen nicht erreicht werden. Auch diese Zahlen belegen, dass sich die Fahrradbranche entschieden vom allgemein negativen Konsumklima absetzt – das E-Bike ist das dominierende Elektrofahrzeug auf dem deutschen Markt.
Anteile der Modellgruppen an Fahrrädern und E-Bikes
Interessant ist die Entwicklung der Modellgruppen bei Fahrrädern und E-Bikes sowie der Anteil und die Zuwächse an E-Bikes in den Gruppen.

Fahrräder
  • Urban
    Über alle Modellgruppen hinweg kommen Fahrräder für die urbane Nutzung auf einen Marktanteil von 74 % (ohne Kinder- Jugend- und sonstige Fahrräder)
    Der weitaus größte Anteil entfällt auf die Bereiche Trekking 42 % (2022: 45 %) und City/Urban 16 % (2021: 18 %)
    ATB (All Terrain Bikes für Straßen und leichtes Gelände): 11 % (2021: 9 %)
  • Sportiv
    Anteil sportliche Fahrräder: 14 % (Rennräder, Gravel, Fitness, MTB) (2022: 11 %)
    Sportliche Fahrräder wurden 2023 wieder stärker nachgefragt: Marktanteil MTB plus 1 Prozentpunkt auf jetzt 5 %. Anteil Rennräder, Gravel, Fitness plus 2 Prozentpunkte auf 9 %.
E-Bikes
Das E-MTB lag im Verkauf nach der erstmaligen Spitzenposition im Vorjahr auch 2023 wieder auf Platz Eins der Käufergunst bei den motorisierten Rädern.
Leicht nachgelassen haben erneut E-Trekking- und E-Cityräder. Den deutlichsten Zuwachs gab es bei E-Lastenrädern.
Im Einzelnen:
  • E-MTB: 39 % (2022: 38 %)
  • E-Trekkingräder: 25 % (2022: 28 %)
  • E-Cityräder: 21 % (2022: 24 %)
  • E-Lastenräder (E-Cargobikes): 9 % (2022: 7,5 %)
  • E-Rennrad / E-Gravel: 1 % (2022: 1 %)
  • S-Pedelecs / E-Bike 45: 0,5 % (2022: 0,5 %)
Kinder, Lasten und Transporte

E-Cargobikes boomen
Lastenräder bzw. Cargobikes gehören, mit Motorunterstützung, zu den wachstumsstärksten Modellgruppen. Für viele ist die Unterstützung durch den Motor ein Möglichmacher für Mobilität. in der Nutzung eines Cargobikes. Daneben erklären die hohe Beliebtheit der E-Cargobikes das einfache Handling im Alltag, der hohe Wiederverkaufspreis, die Möglichkeit des Leasings sowie praktische Gründe, wie die Kostenersparnis gegenüber dem Pkw oder das Entfallen von Parkplatzproblemen. Leicht nachgegeben haben beim Absatz Lastenräder ohne Motorunterstützung.
  • Summe verkaufter Lastenräder 2023: 235.250 (2022: 212.800)
  • Zuwachs Cargobikes gesamt: 10,5 % zu 2022
  • Summe verkaufter E-Cargobikes 2023: 189.000 (2022: 165.000)
  • Zuwachs E-Cargobikes: 14,5 % zu 2022
  • Summe verkaufter Lastenräder ohne Motor 2023: 46.250 (2022: 47.800)
Fahrradanhänger-Markt weiterhin unterschätzt
In der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion sind Fahrradanhänger gegenüber Lastenrädern in den Hintergrund geraten. Dabei sind sie laut Sinus Fahrrad-Monitor 2023 nach dem Kindersitz die beliebteste Lösung für den Kindertransport.
Seit 2022 in der ZIV-Datenerhebung:
  • Summe verkaufter Fahrradanhänger 2023 (ohne B2B): 206.000 Stück (2022: 293.000)
    zum Vergleich: Lastenräder 235.250 Stück
Anteile der Vertriebswege
Die ZIV-Statistik weist für 2023 einen weiterhin sehr hohen Fachhandelsanteil von 77 % aus. Davon entfallen 74 % auf den stationären Fachhandel (2022: 74 %) und 3 % auf Online-Angebote des Fachhandels. Reine Internetversender haben einen Marktanteil von 22 % (2022: 21 %).
SB-Warenhäuser, Baumärkte und Discounter haben dagegen weiter stark verloren und kamen 2023 nur noch auf einen Marktanteil von 1 % (2022: 2 % 2021: 4 %).
Durchschnittliche Verkaufspreise Fahrräder und E-Bikes
Die Werthaltigkeit der Produkte spiegelt sich auch in den Verkaufspreisen. Über alle Verkaufskanäle hinweg (Fachhandel, Online, SB-Märkte etc.) verzeichnet die Branche 2023 einen Brutto-Durchschnittspreis bei Fahrrädern von 470 Euro (2022: 500 Euro) und bei E-Bikes von 2.950 Euro (2022: 2.800 Euro). Zu berücksichtigen ist dabei der zunehmende Anteil von naturgemäß deutlich höherpreisigen Lastenrädern, der die Durchschnittspreise nach oben verschiebt.
Daten Importe – Exporte
Die Importe der Fahrradbranche nach Deutschland sind 2023 angesichts voller Läger und einer schwer einzuschätzenden gesunkenen Nachfrage zurückgegangen. Bei den Exporten zeigt sich eine sinkende Zahl bei Fahrrädern und ein leichter Anstieg bei E-Bikes. Genaue Daten finden sich in den Präsentationsunterlagen «ZIV Fahrrad- und E-Bike-Marktdaten 2023» (LINK EINFÜGEN).

Importe
  • Fahrräder: Insgesamt wurden 2,26 Mio. Fahrräder in 2023 importiert (2022: 2,98 Mio.). Ein großer Teil kommt dabei mit 49 % aus EU-Ländern (oft Produktionsstandorte deutscher Unternehmen). Der Anteil aus Asien beträgt 46 %. Hauptlieferland ist hier Kambodscha mit einem Gesamtanteil von 20 %.
  • E-Bikes: Insgesamt wurden 1,22 Mio. E-Bikes importiert. Der Import-Anteil von E-Bikes aus EU-Ländern liegt 2023 bei rund 71 % (2022: 69 %) und ist damit fast dreimal so hoch wie der Anteil aus Asien mit 26 % (2022: 27 %).
    Gründe: Ausbau der Produktion in der EU / Produktionsstandorte in EU-Nachbarländern, Unabhängigkeit innerhalb der EU von Entwicklungen im Zoll-Bereich, Anti-Dumping Zoll auf Importe von E-Bikes aus China.
Exporte
Fahrräder und insbesondere E-Bikes «Made in Germany» sind im Ausland und hier vor allem in den EU- und EFTA-Ländern sehr gefragt.
  • Fahrräder: Die Zahl der exportierten Fahrräder ist 2023 gesunken auf 800.000 Einheiten im Vergleich zu 970.000 Einheiten in 2022.
    Fast 93 % der exportierten Fahrräder werden in EU- oder EFTA-Länder geliefert. Die Niederlande waren 2023 mit 19 % (2022: 22 %) das wichtigste Ausfuhrland, gefolgt von Österreich mit 13 % (2022: 12 %) und Frankreich mit 9 % (gleichbleibend).
  • E-Bikes: Trotz des allgemein schwierigen Marktumfelds konnten die Exporte von E-Bikes gesteigert werden von 580.000 im Jahr 2022 auf 610.00 im Jahr 2023.
    Über 98 % der E-Bike-Exporte gingen in EU- und EFTA-Länder. Die Niederlande sind weiterhin das wichtigste Exportland mit 23 % (2022: 22 %).
    Mit einigem Abstand folgen Österreich und Frankreich mit je 13 % (2022: je 12 %), Belgien mit 13 % (2022: 11 %), die Schweiz mit 10 % (2022: 11 %) und Italien mit 5 % (2022: 6 %).


ZIV-Marktdaten: Der Fahrradmarkt in Zahlen
Seit mehr als 50 Jahren veröffentlicht der ZIV jährlich – branchenexklusiv – die Wirtschaftszahlen der deutschen Fahrradindustrie. Die ZIV-Marktdaten sind die zentrale Quelle für Erhebung, Monitoring und Analyse der Entwicklung der Fahrradwirtschaft und geben zusätzlich Ausblick auf Trends der Branche sowie die Zukunft des Marktes.

ZIV – Die Fahrradindustrie
Der ZIV ist die Interessenvertretung und starke Stimme der Fahrradindustrie. Als Branchenverband bündelt und vertritt der ZIV 121 Mitgliedsunternehmen gegenüber den Gesetzgebern in der EU und in Deutschland, der Regierung, Behörden, Medien, Institutionen und Organisationen. 90 Prozent der 2022 in Deutschland produzierten Fahrräder und E-Bikes stammen von Mitgliedsunternehmen des ZIV, die zusätzlich zum Absatz im Binnenmarkt jährlich 1,5 Mio. Fahrzeuge exportieren. Der ZIV vertritt etablierte Unternehmen und Start-ups, produzierendes Gewerbe und Handel (inklusive Import und Großhandel) sowie Akteure aus dem gesamten Ecosystem Fahrrad.

Pressekontakt
Pablo Ziller, ZIV – Die Fahrradindustrie, Reinhardtstraße 7, 10117 Berlin, Tel.: +49 30 439 735 773, Mobil: +49 170 734 23 72, presse@ziv-zweirad.de
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